Das Buch zum Sonntag (35)

Für die morgen beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre: William Golding: Herr der Fliegen Demokratie müsse täglich erkämpft und gelebt werden, heißt es in Sonntagsreden diverser Politiker. Ich bin mir nicht sicher, ob damit immer mehr gemeint ist als die Forderung nach Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes. Im Prinzip richtig ist der Satz … Weiterlesen

Der Herr der Wolken

Der Herr der Flammen ist ja bereits hinlänglich bekannt. Wem aber gehorchen die Wolken? Leicht angeschlagen stand mir heute nicht der Sinn nach Verlassen des Hauses, leider gab es aber einiges zu erledigen. Also entwarf ich einen kurzen Plan, wie dies möglichst schnell hinter mich zu bringen sei: In die Stadt fahren, Geld für Fahrscheine … Weiterlesen

De Amore.

Zum intellektuellen Duktus gehört unbedingt das sich als Bescheidenheit tarnende Selbstlob.
Schreibt ein Autor also einen „Versuch über die zweckmäßige Einrichtung des Gemeinwesens“, so meint er eigentlich: „Ich habe den Stein der Weisen gefunden und lasse mich nun herab, euch mal zu erklären, wie das mit dem Staate zu laufen hat, damit das funktioniert. Aber auf mich hört ja keiner.“
Zu großer Meisterschaft brachte dies übrigens olle Cicero, dessen Reden derart von Egomanie strotzen, daß es ein Wunder bleibt, wie Rom ohne ihn nur je existieren konnte. Allerdings verwendet er derart geschickte rhetorische Kniffe, daß es schon geübte Zuhörer braucht, um nicht von ihm eingenommen zu sein.*
Den Titel einer eigenen Publikation also defensiv zu wählen, in dem man Begriffe wie „Versuch über…“, „Einige Gedanken über…“, „Überlegungen zu…“ oder eben einfach lateinisch „De …“ verwendet, soll also die Bescheidenheit des Autors gegenüber seinem Gegenstand zum Ausdruck bringen und ihn natürlich vor böser Kritik schützen (warn ja nur so ein paar Gedanken). Das bedeutet aber eben nicht zwangsläufig, daß der Autor auch tatsächlich seinen Beitrag zur Geistesgeschichte so niedrig einschätzt. 😉
Wie in diesem Lichte also Header des Blogs und Titel des heutigen Beitrages einzuschätzen sind, überlasse ich der geneigten Leserschaft.

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Das Buch zum Sonntag (34)

Für die heute beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre: Franz Kafka: Der Proceß Was in meinen Augen für viele sogenannte Klassiker gilt, die das Pech hatten, Schullektüre zu werden, gilt besonders für Kafka. Vergeßt literarwissenschaftliche Diskurse, schenkt euch gelahrte Interpretationen: „Zurück zum Lesen!“ lautet die Devise. Fragen nach literaturhistorischer Bedeutung, intertextuellen Bezügen … Weiterlesen

Ursula, hilf!

Vor kurzem erschien bei C.H. Beck ein höchst interessantes Buch, in dem mittelalterliche Bittbriefe an den Papst publiziert wurden. Hinter diesen Briefen steckte ein ganz ähnliches Denkmuster wie in vergleichbaren Gesuchen an weltliche Herrscher: Der gute König entscheidet und greift ein, wenn sonst auf Erden keine Gerechtigkeit zu erwarten ist. Wenn sonst niemand mehr hilft: … Weiterlesen

Dresden

Ich wollte ursprünglich nichts zu Dresden schreiben, war ich doch nicht selbst dabei. Aber die Presseschau eben auf mdr.info hat mich dermaßen geärgert, daß ich doch ein paar Worte verlieren muss. Ja, es war gut und richtig, daß es hochoffizielle Veranstaltungen gab, an denen sich Menschen beteiligen konnten, denen aus subjektiv nachvollziehbaren Gründen die Sache … Weiterlesen

Das Buch zum Sonntag (33)

Für die heute beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre: Nikolai Bucharin: Das letzte Wort des Verurteilten am 12. März 1938 Mein Bild von Bucharin ist im Wesentlichen geprägt von Ilja Ehrenburg, der in seinen Memoiren ein warmes Bild dieses Revolutionärs zeichnet (was nicht zuletzt wohl auch darin begründet liegt, daß für Ehrenburg, … Weiterlesen

Lenchenfrage

UPDATE, 15.02.2010 Der Beitrag hier bezieht sich ausschließlich auf die Plagiatsdebatte um Airen. Das schließt mitnichten aus, daß Helene Hegemann nicht woanders gestohlen hat. Dies muß vielmehr als erwiesen gelten. Ich habe mich seitdem auch etwas aus der Debatte augeklinkt, da sie inzwischen derart mäandert, daß es mir unmöglich ist, noch den Überblick zu behalten.
Erfreulicherweise allerdings scheint sie sich inzwischen auf die in meinen Augen drängende Frage nach Rolle und Qualität des deutschen Feuilletons zu verlagern.

UPDATE (2), 16.02.2010 Da gelegentlich in den Debatten die Frage auftauchte, ob hier das Lektorat nicht hätte bemerken müssen, daß es mindestens einen Plagiatsverdacht gibt (und die eindeutig mit „Nein“ zu beantworten ist), hierzu ein sehr lesenswertes Interview im Buchmarkt. Meine Lieblingstelle daraus ist übrigens: Denn wenn Biller ein Buch auf seine unnachahmliche Weise toll findet, lese ich das zumindest für mich als Warnung „Vorsicht: Könnte Kunst sein. Vielleicht aber auch nur ambitionierte Künstlichkeit.“

UPDATE (3), 24.02.2010Diesen Spaß kann ich der geneigten Leserschaft allerdings nicht vorenthalten. Durs Grünbein veröffentlichte einen Text zu Hegemanns Plagiat – zu dem es dann noch etwas zu ergänzen gab.

UPDATE (4), 01.04.2010Und noch einen letzten Nachschlag. Peter Michalzik kehrt in der FR mal die Scherben zusammen und versucht nachträglich doch noch so etwas wie Fakten in die Debatte einzubringen.

UPDATE (5), 04.05.2010Frau Hegemann antwortet in der ZEIT selbst auf ihre Kritiker.

In diesem Blog spielen Bücher eine nicht ganz unerhebliche Rolle. Und so kann auch ich es mir nicht versagen, mich auch hier zur Debatte um die Plagiatsvorwürfe gegen Helene Hegemann zu äußern.
Es sind da einige Aspekte, die ich höchst bemerkenswert finde.
Der erste betrifft die große Aufregung, die Deef Pirmasens mit seinem Blogbeitrag in der Internetgemeinde auslöste. Ich finde es erstaunlich, wie populär auf einmal das gute alte Urheberrecht wurde. Entgegen aller Beteuerungen behaupte ich, daß es keineswegs die Nichtnennung der Quelle „Airen“ war, die dort die Emotionen hochkochen ließ, sondern eher die Tatsache, daß da jemand Geld verdient. „Ein böser Zauberer ist der Neid.“* Man lese hierzu nur mal die Kommentare bei stern.de – so viel Haß, so viel Wut. Und das alles bei Leuten, die rein gar nichts damit zu tun haben. Im selben Artikel steht übrigens der bemerkenswerte Satz eines Piratensprechers, daß wildes Kopieren ohne Quellenangabe das bisherige Urheberrecht ad absurdum führe und man deshalb auf Kinder und Jugendliche entsprechend einwirken müsse.
Ahja. Die Piraten finden also – nein, Stopp, bei den Piraten gibt es ja keine Parteimeinung, es gibt immer nur Privatmeinungen Einzelner (Beispiel gefällig?) – ein Pirat findet also, daß es notwendig ist, das bisherige Urheberrecht zu erhalten. Sehr bemerkenswert. Ich hatte ja nach den bisherigen Positionen der Piraten (geistiges Eigentum jibbet nich, kreative Leistungen gehören der gesellschaft, nicht einzelnen etc.) eher mit einer Solidaritätsadresse für Frau Hegemann gerechnet. Hier stellt sich erneut die von den Piraten noch immer nicht klar beantwortete Frage zu einem der Kernpunkte ihres Programms: „Wie hältst Du es mit dem Urheberrecht, Jack?“

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Gachmuret feat. Der Hausheilige – live

Zur Heiligenverehrung gehören stets auch öffentliche kultische Handlungen. Bei Heiligen, die schriftliche Zeugnisse hinterlassen haben, gehört das rituelle Vortragen ebendieser Schriften zum üblichen Repertoire der zeremoniellen Anbetung. Am 24. März 2010 werde ich dem Hausheiligen einen Abend widmen. Womit sich der geneigten Leserschaft die Gelegenheit ergibt, zur geneigten Hörerschaft* zu werden. Um 19 Uhr im … Weiterlesen