Das wird man ja mal noch sagen dürfen.

Die Geschichte der Meinungsfreiheit ist eine Geschichte voller Mißverständnisse. Eines der aktuell bevorzugten Mißverständnisse beruht darauf, daß offenbar viele annehmen, Meinungsfreiheit bedeute, die eigene Meinung unwidersprochen äußern zu dürfen. Das bedeutet sie eben nicht. Meinungsfreiheit bedeutet eben auch die des Andersdenkenden und als Bestandteil einer mehr oder weniger offenen Gesellschaft gehört der Austausch von Argumenten, … Weiterlesen

Das Buch zum Sonntag (62)

Für die morgen beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre: Ilja Ehrenburg: Menschen. Jahre. Leben. Passend zur dritten Kulturwoche ist auch das Buch zum Abschluß derselben eine Reminiszenz an meine Jugend (und gerade erst gestern wurde mir vor Augen geführt, daß ich tatsächlich alt genug bin, einen solchen Satz zu formulieren – da … Weiterlesen

Gachmurets dritte Kulturwoche: Film

Film: König der letzten Tage Die älteren in der geneigten Leserschaft erinnern sich bestimmt an den Tag, an dem Kurt Cobain starb – und die jüngeren unter den älteren vielleicht daran, wie auf einmal alle ja schon immer Nirvana-Fans gewesen sein wollten. So ähnlich erging es mir mit Christoph Waltz. Zu der, zugegeben, tiefen inneren … Weiterlesen

Gachmurets dritte Kulturwoche: Anime

Anime: Ghost in the Shell Erzählungen sind in ihrer Struktur und ihren Motiven stark vom kulturellen Hintergrund des Erzählenden geprägt. Das gilt ebenso für das Publikum, das seinerseits in seiner Erwartungshaltung stark geprägt ist und nicht selten irritiert reagiert, wenn eine Erzählung diese nicht bedient. Was freilich für Erzählende einen großen Reiz hat, in dem … Weiterlesen

Gachmurets dritte Kulturwoche: Verlag

Verlag: Hermann Schmidt Mainz In Urheberrechtsdebatten, Krimis oder anderen Filmen sind Verleger gerne villenbewohnende Zigarreraucher, die herrisch über das Schicksal untertänigst um ihre Gnade bittender Schriftsteller bestimmen. Keine Ahnung, wo die jeweiligen Autoren ihre Milieustudien betrieben, aber zumindest für Buchverleger, so es sie denn noch gibt, ist dies keineswegs typisch. Einer der beliebtesten Vorwürfe an … Weiterlesen

Gachmurets dritte Kulturwoche: Fernsehserie

Fernsehserie: South Park Als South Park 1999 in Deutschland anlief, erhob sich allerorten Abendlanduntergangsgeschrei ob der angeblich sinnfreien Zusammenstellung diverser Körperflüssigkeiten und entsprechender Worte. Gar nicht erst zu reden von der furchtbaren Brutalität. Die armen Kinder, wenn die sowas sehen. Nun, zunächst einmal sei dazu gesagt, daß es ein kulturelles Mißverständnis der hiesigen Kulturbeflissenen ist, … Weiterlesen

Re: Gachmurets dritte Kulturwoche: Musik

Musik: Zupfgeigenhansel

UPDATE 21.09.2010: Und der zweite Beitrag aus dem Februar (Erstpublikation am 02.02.2010).

Die Sechziger und Siebziger Jahre sind musikalisch von einer großen Folkwelle geprägt, die auch Deutschland erreichte. Hier wurde das Thema „Volkslied“ wieder neu interpretiert, es gab eine Wiederentdeckung alter Schätze, das Genre wurde aus dem Klammergriff von Schlagerindustrie und Schulmusikunterricht befreit. Tatsächlich gab es auf einmal ein breites Publikum, das bereit war, zuzuhören – die Singer-Songwriter hatten hier sozusagen die Schneise geschlagen.
Kurz: Der Zeitgeist war bereit.

Ein kleiner Exkurs noch:
Die Idee, daß es sehr viel mehr kreative Quellen gibt als die öffentliche Wahrnehmung weismachen will, scheint mir gerade heute höchst aktuell. Was dem einen die kanonisierte Volksliedvermittlung, sind dem anderen die Qualitätsmedien. Kreativität breiter Volksschichten gibt es nicht erst seit dem 21. Jahrhundert mit seinen Blogs, Onlinemagazinen und sozialen Plattformen. Die gab es schon immer. Und ebenso wie in allen Jahrhunderten früher wird es auch weiterhin großartige Werke geben, die nie beachtet werden und verschütt gehen, um vielleicht dereinst ausgegraben zu werden – zum Erstaunen späterer Generationen. Gut, back to topic.

Für mich persönlich verbindet sich mit „Volkslied“ zwangsläufig der seltsam harmonische Klang dieses Duos, handelt es sich dabei doch um eine ganz frühe Prägung (ich höre die nun schon seit gut und gerne 20 Jahren). Sie haben eine Frische und ein Einfühlungsvermögen, das ich so nirgenwo sonst wieder gehört habe (und Nein, liebe Liederjan-Fans, auch bei denen nicht 😉 ). Den Revoluzzer von Mühsam, zum Beispiel, könnte ich nicht vorlesen – die Melodie wäre zu prägnant im Kopf. Dabei geht es hier nicht um schönen Gesang im Sinne von technischer Reinheit, denn Volkslieder sind ja Lieder des Volkes. Und das hat keine BelCanto-Ausbildung. Es geht darum, ein Lied zu singen, seine Stimmung zu spüren und auszudrücken. Und das machten Zupfgeigenhansel in meinen Augen perfekt. Eine derart frische, lebendige Interpretation wünschte ich mir bei so etlichen anderen Darbietungen populärer Musik.

Zupfgeigenhansel interpretieren den Begriff „Volkslied“ denn auch etwas weiter als dies der akademische Diskurs tun würde, nicht selten finden sich vertonte Gedichte oder Texte aus dem Untergrund der nationalsozialistischen Zeit darunter. Die Themenvielfalt reicht mithin von den üblichen lüsternen Mönchen und Pfarrern über naive Bauerntöchter und frustrierte Soldaten (hier mal mit Musik) bis zu sehnsüchtigen Kindheitserinnerungen (ganz wunderbare Interpretation übrigens, die Heines großartige Kunst, im romantischen gewande böse zu spotten, hervorragend herüberbringt.) oder dem Suchen nach Hoffnung in dunkler Zeit.

Unglücklicherweise sind nicht allzu viele Tonbeispiele online auffindbar (also, zumindest für mich nicht), so daß einige meiner liebsten Stücke (wie eben das Heine-Lied) hier ungespielt bleiben müssen.
Aber, es genügt doch, um einen Eindruck zu bekommen und die unliebsten Stücke sind es auch nicht, die ich gefunden habe.

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Re: Gachmurets dritte Kulturwoche: Kabarett

Kabarett: Marc-Uwe Kling UPDATE 20.09.2010 Nachdem ich im Februar (Erstpublikation dieses Beitrages war am 01.02.2010) krankheitsbedingt abbrechen musste, hier nun ein neuer Anlauf. Die beiden Eröffnungsbeiträge sind also reine Republikationen, was aber ja nicht heißt, daß man sie nicht noch einmal lesen kann. 😉 Nun denn, nach einigen Wochen Ruhe im Notizblog, soll es nun … Weiterlesen

Nebellichter

Anläßlich der künstlich aufgeplustertern Aufregung zu Google Streetview machte ich hier einige Anmerkungen zu den Nebelwerfern in der Politik und ihren willfährigen Gehilfen im Hauptstadt-„Journalismus“. Nun, es gibt glücklicherweise auch im journalistischen Milieu noch denkende Menschen und einigen von diesen verdanken wir nun diesen kleinen Film, der ein paar Dinge mal wieder ins recht Licht … Weiterlesen

Das Buch zum Sonntag (61)

Für die heute beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre: Alan Alexander Milne: Pu der Bär Ein häufige Entwicklung in der Literaturrezeption ist das „Wandern nach unten“, womit ich meine, daß Bücher, die ursprünglich einem erwachsenen Publikum galten (Das Genre der Kinderliteratur ist weitaus jünger als man glauben mag), im Laufe der Jahrzehnte … Weiterlesen