Franziska Schreiber: Inside AfD

Umschlagabbildung zu Inside AfD von Franziska Schreiber

Franziska Schreiber will aufklären. Über die AfD, ihre Gefährlichkeit und ihre »wahren« Ziele. Leitlinie ist dabei ihr eigener Weg, den sie nachzeichnet.

Im Laufe der Jahre haben viele Menschen der AfD den Rücken gekehrt, darunter zahlreiche Amtsträger – tatsächlich nahezu alle ehemaligen Vorsitzenden. Zu ihnen gehört auch Franzsika Schreiber.

Wie viele andere vor und nach ihr, macht sie eine »zunehmende Radikalisierung« der Partei für ihren Schritt verantwortlich. Nun mag es von außen schwer vorstellbar sein, wie es möglich sein soll, in diese Partei einzutreten und in ihr Karriere zu machen und das Offensichtliche nicht zu sehen – aber es wäre andererseits fatal, Menschen dafür zu verdammen, dass sie mit Idealen in die Politik gehen und sich in einer Partei engagieren wollen. Dabei kann man sich irren und dabei kann man auch Illusionen unterliegen. Umso ehrenwerter, wenn sich jemand zu seinen Fehlern bekennt und die eigenen Erfahrungen öffentlich macht, um anderen vergleichbare Irrtümer zu ersparen.

Nur: Das macht Franziska Schreiber in ihrem Buch nicht. Es handelt sich vielmehr um eine Apologetik in eigener und Frauke Petrys Sache. Statt einer Analyse der eigenen Fehleinschätzung erzählt Schreiber das Märchen einer Radikalisierung weiter, bei der böse Kräfte das eigentlich gute Projekt verderben würden. Dass die AfD im Kern und von Anfang an ein nationalistisches, rassistisches Projekt war, dass auch und gerade Frauke Petry alles andere als eine verkannte Liberale ist, die zum Opfer radikaler Kräfte wurde – dazu kommt sehr wenig. Ihre Berichte aus den internen Zirkeln mögen Boulevard-Wert haben, der politische Erkenntniswert ist freilich gering.

Buchdetails:
Franziska Schreiber: Inside AfD. Europa Verlag München 2018. 224 Seiten, gebunden. ISBN 978-3-95890-203-9, 18 € als ebook 12,99
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Die Jugend von damals

Um eine These für einen zu erstellenden Artikel zu verifizieren, stolperte ich über diese Passage aus der seinerzeitigen Besprechung der 13. Shell-Jugendstudie:

»Ausländerfeindliche Töne sind, wie auch die Shell-Studie belegt, im Osten deutlich lauter als im Westen. In den neuen Ländern, wo der Anteil der Nichtdeutschen an der Wohnbevölkerung bei 2,2 Prozent liegt (im Westen: 10,4 Prozent), finden mehr als zwei Drittel der Jugendlichen, das Boot sei schon überfüllt. […]
Immerhin 27 Prozent aller deutschen Jugendlichen erscheinen in Münchmeiers Auswertung als „hoch ausländerfeindlich“.«

Die damals 15-24jährigen sind heute die Elterngeneration.

Vielleicht wäre es doch ganz sinnvoll, den als »Laberwissenschaften« beschimpften Sozialwissenschaften gelegentlich mal zuzuhören. Stattdessen haben wir weitere zwei Jahrzehnte verschwendet und wundern uns heute über Institutionenkrise und AfD-Wählende.

Es ist so frustrierend: Ob Mondlandung, Klimawandel, Impfen oder Nazis – Die Wissenschaften stellen das entscheidende Wissen zur Verfügung, aber wir vertrauen lieber auf unsere Bauchempfindungen und die Erzählungen des Schwippschwagers der Nachbarin. Auf allen Ebenen, in allen Positionen.