De Amore.

Zum intellektuellen Duktus gehört unbedingt das sich als Bescheidenheit tarnende Selbstlob.
Schreibt ein Autor also einen “Versuch über die zweckmäßige Einrichtung des Gemeinwesens”, so meint er eigentlich: “Ich habe den Stein der Weisen gefunden und lasse mich nun herab, euch mal zu erklären, wie das mit dem Staate zu laufen hat, damit das funktioniert. Aber auf mich hört ja keiner.”
Zu großer Meisterschaft brachte dies übrigens olle Cicero, dessen Reden derart von Egomanie strotzen, daß es ein Wunder bleibt, wie Rom ohne ihn nur je existieren konnte. Allerdings verwendet er derart geschickte rhetorische Kniffe, daß es schon geübte Zuhörer braucht, um nicht von ihm eingenommen zu sein.*
Den Titel einer eigenen Publikation also defensiv zu wählen, in dem man Begriffe wie “Versuch über…”, “Einige Gedanken über…”, “Überlegungen zu…” oder eben einfach lateinisch “De …” verwendet, soll also die Bescheidenheit des Autors gegenüber seinem Gegenstand zum Ausdruck bringen und ihn natürlich vor böser Kritik schützen (warn ja nur so ein paar Gedanken). Das bedeutet aber eben nicht zwangsläufig, daß der Autor auch tatsächlich seinen Beitrag zur Geistesgeschichte so niedrig einschätzt. 😉
Wie in diesem Lichte also Header des Blogs und Titel des heutigen Beitrages einzuschätzen sind, überlasse ich der geneigten Leserschaft.

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