Lenchenfrage

UPDATE, 15.02.2010 Der Beitrag hier bezieht sich ausschließlich auf die Plagiatsdebatte um Airen. Das schließt mitnichten aus, daß Helene Hegemann nicht woanders gestohlen hat. Dies muß vielmehr als erwiesen gelten. Ich habe mich seitdem auch etwas aus der Debatte augeklinkt, da sie inzwischen derart mäandert, daß es mir unmöglich ist, noch den Überblick zu behalten.
Erfreulicherweise allerdings scheint sie sich inzwischen auf die in meinen Augen drängende Frage nach Rolle und Qualität des deutschen Feuilletons zu verlagern.

UPDATE (2), 16.02.2010 Da gelegentlich in den Debatten die Frage auftauchte, ob hier das Lektorat nicht hätte bemerken müssen, daß es mindestens einen Plagiatsverdacht gibt (und die eindeutig mit “Nein” zu beantworten ist), hierzu ein sehr lesenswertes Interview im Buchmarkt. Meine Lieblingstelle daraus ist übrigens: Denn wenn Biller ein Buch auf seine unnachahmliche Weise toll findet, lese ich das zumindest für mich als Warnung „Vorsicht: Könnte Kunst sein. Vielleicht aber auch nur ambitionierte Künstlichkeit.“

UPDATE (3), 24.02.2010Diesen Spaß kann ich der geneigten Leserschaft allerdings nicht vorenthalten. Durs Grünbein veröffentlichte einen Text zu Hegemanns Plagiat – zu dem es dann noch etwas zu ergänzen gab.

UPDATE (4), 01.04.2010Und noch einen letzten Nachschlag. Peter Michalzik kehrt in der FR mal die Scherben zusammen und versucht nachträglich doch noch so etwas wie Fakten in die Debatte einzubringen.

UPDATE (5), 04.05.2010Frau Hegemann antwortet in der ZEIT selbst auf ihre Kritiker.

In diesem Blog spielen Bücher eine nicht ganz unerhebliche Rolle. Und so kann auch ich es mir nicht versagen, mich auch hier zur Debatte um die Plagiatsvorwürfe gegen Helene Hegemann zu äußern.
Es sind da einige Aspekte, die ich höchst bemerkenswert finde.
Der erste betrifft die große Aufregung, die Deef Pirmasens mit seinem Blogbeitrag in der Internetgemeinde auslöste. Ich finde es erstaunlich, wie populär auf einmal das gute alte Urheberrecht wurde. Entgegen aller Beteuerungen behaupte ich, daß es keineswegs die Nichtnennung der Quelle “Airen” war, die dort die Emotionen hochkochen ließ, sondern eher die Tatsache, daß da jemand Geld verdient. “Ein böser Zauberer ist der Neid.”* Man lese hierzu nur mal die Kommentare bei stern.de – so viel Haß, so viel Wut. Und das alles bei Leuten, die rein gar nichts damit zu tun haben. Im selben Artikel steht übrigens der bemerkenswerte Satz eines Piratensprechers, daß wildes Kopieren ohne Quellenangabe das bisherige Urheberrecht ad absurdum führe und man deshalb auf Kinder und Jugendliche entsprechend einwirken müsse.
Ahja. Die Piraten finden also – nein, Stopp, bei den Piraten gibt es ja keine Parteimeinung, es gibt immer nur Privatmeinungen Einzelner (Beispiel gefällig?) – ein Pirat findet also, daß es notwendig ist, das bisherige Urheberrecht zu erhalten. Sehr bemerkenswert. Ich hatte ja nach den bisherigen Positionen der Piraten (geistiges Eigentum jibbet nich, kreative Leistungen gehören der gesellschaft, nicht einzelnen etc.) eher mit einer Solidaritätsadresse für Frau Hegemann gerechnet. Hier stellt sich erneut die von den Piraten noch immer nicht klar beantwortete Frage zu einem der Kernpunkte ihres Programms: “Wie hältst Du es mit dem Urheberrecht, Jack?”

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