Fundstück (1)

Heute gefunden: Wir stehen vor einem Deutschland voll unerhörter Korruption, voll Schiebern und Schleichern, voll dreimalhunderttausend Teufeln, von denen jeder das Recht in Anspruch nimmt, für seine schwarze Person von der Revolution unangetastet zu bleiben. Wir meinen aber ihn und grade ihn und nur ihn. Und wir haben die Möglichkeit, zu wählen: bekämpfen wir ihn … Weiterlesen

Die schönen Feindbilder

Meine Kindheitssozialisation fand in der DDR statt, deren Ende ziemlich genau mit dem Ende jener Entwicklungsphase zusammenfiel. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem existierenden Arbeiter- und Bauernstaat fand für mich daher nicht statt. Was aber nicht weiter dramatisch ist, ich hätte wohl kaum historische Wissenschaften studiert, wäre ich davon überzeugt, man könne nur aus dem eigenen (Er-)Leben wichtige Erkenntnisse ziehen.
Sehr wohl aber wirken einige Dinge nach, wie das bei Kindheitserlebnissen ja häufiger der Fall ist. So habe ich zum Beispiel einen durchaus romantischen Hang zu revolutionären Bewegungen. Wer gegen das System ist (egal welches, Hauptsache System, ein reiner Tyrannenmord umd Kalif anstelle des Kalifen zu werden, langweilt nur und entbehrt außerdem jeglichen revolutionären Flairs), hat erstmal meine Sympathien.
Unglücklicherweise aber scheinen nur wenige Revolutionäre sich intensiv mit den Erkenntnissen der historischen Disziplinen zu beschäftigen – was verständlich ist, so ein Revolutionärsalltag ist ja reichlich gefüllt mit Gedanken über die künftige Ordnung der Welt und wie diese zu erreichen sei, da bleibt kaum Zeit, sich mit längst überwundenen Systemen zu beschäftigen (siehe hierzu das maßgebliche Werk zum Thema) – so wiederholen sich denn auch immer wieder dieselben Muster. Und am Ende ist dann doch meist einfach nur jemand Kalif anstelle des Kalifen. Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben, die Revolutionsmetapher kam mir wahrscheinlich auch eher wegen aktueller Ereignisse anderswo in den Sinn. Denn Revoluzzer sind die Kollegen von Anonymous ja wohl kaum, die es für eine gute Idee hielten, Herrn Uhls Website zu übernehmen.
Jean-Paul Sartre wird der Satz Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen. zugeschrieben* und dem stimme ich durchaus zu. Allein, ich frage mich doch ernsthaft: Kinners, was soll das?

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Äh, Gypten?

Die Welt konnte in den letzten Tagen und Wochen wieder einmal von Ägypten lernen. Das kommt in der Weltgeschichte immer mal wieder vor, dieses Mal wurde unter anderem ein für alle Mal die Frage “Wofür soll denn dieses Facebook gut sein, ist das nicht nur so eine Spielerei für computersüchtige Exhbitionisten?” ins Abseits und in … Weiterlesen

Das Buch zum Sonntag (33)

Für die heute beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre: Nikolai Bucharin: Das letzte Wort des Verurteilten am 12. März 1938 Mein Bild von Bucharin ist im Wesentlichen geprägt von Ilja Ehrenburg, der in seinen Memoiren ein warmes Bild dieses Revolutionärs zeichnet (was nicht zuletzt wohl auch darin begründet liegt, daß für Ehrenburg, … Weiterlesen