Verschwindende Künste (3)

Heute: Cafégespräche So viel Café wie im Zeitalter des Latte-Macchiato war wohl noch nie. Selbst außerhalb selbsternannter Hipsterhochburgen herrscht hierzulande kein Mangel an Möglichkeiten, koffeinhaltige Heißgetränke einzunehmen. Und es ist auch keineswegs so, daß dabei nicht kommuniziert wird. Allerdings beobachte ich einen deutlichen Wandel darin, wie und und mit wem. In my younger and more … Weiterlesen

Das Buch zum Sonntag (84)

Für die heute beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre: Juli Zeh: Corpus Delicti Ich mag ja Juli Zeh. Also, ihre Werke. Allerdings habe ich inzwischen feststellen können, daß gerade einige der Punkte, die mir an ihren Büchern so gefallen, auch genau die sind, die andere davon abhalten, sie zu lesen. Auftritt verstaubte … Weiterlesen

Humilitas

Als nichtreligiöser Mensch lese ich religiöse Schriften etwas anders als dies religiöse Menschen vielleicht tun. Sie sind aber durchaus lesenswert, denn man bedenke: Da haben sich Menschen die Mühe gemacht, ein Bücher zusammenzustellen, die auf alle nur erdenklichen Fragen des Lebens eine Antwort bereitzuhalten versprechen. Und das mit durchaus bemerkenswerten Ergebnissen: 5 Da fuhr der … Weiterlesen

Nachgereicht: Das Buch zum Sonntag (83)

Für die schon lange laufende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre: Arthur Schopenhauer: Die Kunst, Recht zu behalten. Schopenhauer gilt landläufig als Misanthrop. Ich bin mir nicht sicher, ob das so ohne Weiteres zutrifft. Meiner vagen Vermutung nach konnte er durchaus eine ganze Menge Menschen nicht leiden, allerdings aus Gründen, die für jene … Weiterlesen

Misericordia et Caritas

Ich bin derzeit ganz ordentlich fassungslos. In Japan starben wahrscheinlich mehr als zehntausend Menschen an den Folgen eines Erdbebens mit nachfolgendem Tsunami. Hunderttausende sind obdachlos, ohne ausreichende Versorgung, manches Mal in Eiseskälte ausharrend. Dort haben Menschen ihr Leben verloren – und zwar nicht nur konkret, sondern auch metaphorisch. Sie verloren ihre Stadt, ihre Wohnung, ihre … Weiterlesen

Kein Buch zum Sonntag (10)

Ich weiß, es wird allmählich zur Regel, daß hier aller paar Wochen die Buchempfehlung ausfällt. Aber wie die geneigte Leserschaft vielleicht mitbekommen hat, habe ich einige persönliche Bezugspunkte zu Japan. Einige der schönsten, beeindruckendsten, nachhaltigsten Momente meines Lebens verdanke ich diesem Land und seinen Menschen. Einige meiner liebsten Orte sind dort, wenn ich mir einen … Weiterlesen

Nachgereicht: Das Buch zum Sonntag (82)

Für die gestern begonnene Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre: Frédéric Valin: Randgruppenmitglied Ich mag ja Erzählungen. Auch wenn ich für diese Aussage viel zu wenige lese. Womit meine Absicht, die hierzulande um sich greifende Idiotie, auf alles “Roman” zu schreiben, weil es sich sonst angeblich nicht verkaufen ließe, wohl bereits trefflich torpediert … Weiterlesen

Aufmerksamkeit

Zum Glück leben wir ja nicht mehr 1931 und haben jetzt Qualitätsjournalismus, der nämlich immer sachorientiert schreibt und deshalb unbedingt als Bestandteil des Kulturerbes umfänglich geschützt gehört. Damit kann dieser Text des Hausheiligen wohl ins Archiv, nicht wahr? Das Persönliche Schreib, schreib . . . Schreib von der Unsterblichkeit der Seele, vom Liebesleben der Nordsee-Makrele; … Weiterlesen

Dolchstoßlegende

Ich bin sehr gespannt, wie lange der Februar noch Februar heißt. Es bestehen zunehmend gute Aussichten, daß er in wenigen Jahren in Plagiatuar oder schlicht Axolotl umbenannt wird. Letztes Jahr die Helene, dieses Jahr also der Karl.
Im Gegensatz zur Frau Hegemann war in Sachen Guttenberg die Frage, ob es sich um ein Plagiat handelt, von Anfang klar und eindeutig beantwortet. Auch wenn ich durchaus nicht jede aufgefundene Stelle, singulär betrachtet, als bewußtes Plagiat bezeichnen würde, die schiere Masse ist derart erdrückend, daß Guttenbergs Beteuerungen, er habe nicht bewußt getäuscht, schlicht unglaubwürdig, vulgo: lächerlich, sind.
Was sich hier in den letzten 2 Wochen abgespielt hat, ist ein bemerkenswertes Lehrstück. Die “Causa Guttenberg” gibt Stoff für einige Qualifikationsschriften im breiten Spektrum der Geisteswissenschaften* her.
Ich möchte daher mal nur einige Punkte herausgreifen, die mir auffielen. Da wäre zum einen der Aspekt des Urheberrechts, der vielleicht auch juristisch spannendste Teil der Angelegenheit.
Noch aus der ersten Aufregung stammt dieser Tweet von @mspro:

mspro

Das ist in der Tat bemerkenswert. Falls jemand sich die Mühe machen möchte, wäre es sehr spannend, herauszufinden, ob es da wirklich Überschneidungen gibt. Trotzdem wäre dies nicht zwangsläufig ein Beweis für kognitve Dissonanz (ein Phänomen übrigens, das in den letzten 14 Tagen bemerkenswert oft auftrat), denn es muß unbedingt unterschieden werden zwischen künstlerischem und wissenschaftlichen Arbeiten. Kunst nämlich kann, darf und soll einfach behaupten. Das macht ja gerade den Reiz aus. Ein Gedicht, ein Roman, ein Bild – sie können das Wahre, Falsche, Schöne, Häßliche, Gute, Böse, Richtige oder was auch immer repräsentieren. Und zwar völlig begründungsfrei. Selbstverständlich aber sind Künstler referentiell. Ganze Institute leben davon, die Kunstgeschichte nach Traditionslinien, nach Beeinflussungen, nach Gemeinsamkeiten zu durchsuchen. Streng genommen ist die Kunstgeschichte eine Geschichte des Plagiats. Wir nennen das nur anders. Da geht es um Motive, die wandern und Traditionen, in denen die Leute so stehen. Kopieren war sogar Jahrhundertelang überhaupt gar kein Problem. Erst in dem Moment, in dem die originäre Schöpfungsleistung zum Wert, nicht zuletzt eben zum monetären, erhoben wurde, wurde dies zum (juristischen) Problem. Und so bahnbrechend die Idee des Urheberrechts war, um Künstlern eine Möglichkeit zu geben, nur von ihrer Arbeit zu leben und sich so aus der Abhängigkeit von Auftraggebern zu befreien, es muß in Frage gestellt werden, ob die pedantische Suche nach schon einmal verwendeten Phrasen dem künstlerischen Schöpfungsprozeß überhaupt angemessen ist. Sehr schön dazu übrigens die Geschichte des “Amen Break” – ist das nun eine Erfolgsgeschichte oder eher nicht?

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